Rechenschaft vom Glauben I

E ine biblisch-theologische Abhandlung

Dieses Glaubensbekenntnis ist Ausdruck und Zeugnis der Übereinstimmung der Gemeinden im Glauben. Es kann also nicht selbst Gegenstand des Glaubens oder bindendes Glaubensgesetz sein. Als zusammenfassende Auslegung der Heiligen Schrift wird es durch diese begründet und begrenzt. Es setzt das Apostolische Glaubensbekenntnis als gemeinsames Bekenntnis der Christenheit voraus und bleibt offen für die künftige Bekundung der Wahrheit. 

Grund und Inhalt des Bekennens ist das zentrale Geschehen der Herrschaft Gottes. Dem entspricht der vorwiegend berichtende Stil. Als Rechenschaft vom Glauben soll dieses Bekenntnis der gemeindlichen Unterweisung, der theologischen Besinnung und der Verantwortung des Glaubens nach außen dienen. Als lebendige Antwort der Gemeinde auf Gottes wirksames Wort wird das Bekenntnis des Glaubens zum Lob der großen Taten Gottes. 

Die Aufrichtung der Gottesherrschaft


1. Gottes Offenbarung in Jesus Christus

Gott hat sich in seinem Sohn Jesus Christus offenbart und in ihm seine Herrschaft zum Heil der Menschen aufgerichtet. 

Als der von Gott Gekommene hat Jesus von Nazareth Gott den Menschen und die Menschen Gott nahegebracht: In einzigartiger Vollmacht rief er sie zurück zu dem lebendigen Gott; er befreite aus gottlosen Bindungen, vergab die Sünden, heilte Kranke und hatte Tischgemeinschaft mit Sündern. Mit seinen Worten und Taten brach die Gottesherrschaft an. 

Das Werk Jesu, der auf die Erde kam, um ,,die Werke des Teufels zu zerstören“ (1. Joh.3, 8) wurde vollendet in seinem Leiden und Sterben für alle Menschen. In Jesu stellvertretendem Tod für die Schuld der Menschheit aller Zeiten hat Gott sich uns erschlossen als der, der Liebe ist. 

In Jesu Auferweckung von den Toten hat Gott das Werk der Versöhnung in Kraft gesetzt und den Gekreuzigten zum gegenwärtigen Herrn erhoben. Er ,,ist uns von Gott gemacht zur Weisheit, Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung“ (1. Kor 1, 30). Mit seiner Auferstehung hat das Ende dieser Weltzeit begonnen. Sein Auferstehen verbürgt uns die Auferstehung aller, die an ihn glauben, zum ewigen Leben. 

Als der Auferstandene ist Jesus zur Herrlichkeit des Vaters erhöht, aus der er gekommen ist. In dieser Hoheit ist er nicht nur Herr über seine Gemeinde, sondern auch über die ganze Welt. Christi Herrschaft wird von seiner Gemeinde geglaubt und verkündigt; sie wird von allen Menschen erkannt, wenn er als Weltvollender kommt. 

Gottes Heilswerk in Christus kommt zu seinem vorläufigen Ziel in der Verkündigung der Versöhnungsbotschaft durch seine Gemeinde. Im Dienst der Versöhnung, der in der Kraft des Heiligen Geistes geschieht ist Christus selbst am Werk und stellt alle Welt unter den Anspruch ihres Schöpfers. Die Gemeinde, die ihn verkündigt und aus seiner Kraft lebt, wird zum Zeichen der neuen Welt Gottes. 

2. Die Sünde des Menschen und seine Umkehr zu Gott

In der Begegnung mit Jesus Christus erfahren wir das Böse in uns und in gesellschaftlichen Strukturen als Sünde gegen Gott. Gottes versöhnendes und richtendes Wort deckt uns die Schuld der Menschen auf als Leugnung der Verantwortung vor Gott. Gleichgültigkeit und Trägheit, Angst und Selbstbehauptung sind Ausdruck der Trennung von Gott. 

Im Bösen ist immer der Böse wirksam, der Widersacher Gottes, der Gottes gute Schöpfung verdirbt. Zugleich kommt das Böse aus dem Herzen des Menschen, der der Verführung erliegt und Gottes Gebot übertritt. Das Tun des Bösen bringt ihn unter die Herrschaft des Bösen. Deshalb ist der Mensch ,,tot in Übertretungen und Sünden“ (Eph. 2,1) und dem Leben aus Gott entfremdet. Er ist den gottfeindlichen Mächten und Gewalten preisgegeben. 

Die Abwendung von Gott und die Missachtung seiner Liebe führen zur Ausbeutung, Unterdrückung und Entmündigung des Menschen durch den Menschen, aber auch zum verzweifelten Alleinsein des Menschen mit sich selbst. Der Mensch, der wie Gott sein will und meint, Gutes und Böses nach seinem Gutdünken bestimmen zu können, verfehlt seine Bestimmung. Er verdirbt Gottes gute Schöpfung und bedroht sie in ihrem Bestand. 

Der Widerspruch gegen Gottes Herrschaft geschieht nicht nur in Worten und Taten, die moralisch verwerflich sind. Er kann sich ebenso in aufopferndem Eintreten für Freiheit, Frieden und Gerechtigkeit, für Religion, Wahrheit und Schönheit verwirklichen. Jede gute Tat kann gleichzeitig Gott gegenüber die feinste Form der Selbstrechtfertigung und der Selbstsucht sein. Im Licht der Liebe Gottes wird das Geheimnis der Bosheit auch und gerade in den ,,guten“ und ,,frommen“ Taten der Menschen aufgedeckt, so dass niemand vor Gott im Recht ist und ohne Gnade bestehen kann. 

Wer Gottes Angebot der Gnade und Vergebung ausschlägt, bleibt unter dem Zorn und Urteil Gottes, verwirkt das ewige Leben und verschließt sich in die selbstgewählte Gottesferne. Der Unglaube führt in das ewige Verderben; wer aber Gottes Urteil über seine Sünden und das Angebot der Gnade annimmt, ergreift das ewige Leben, das Christus uns erworben hat. 

Gottes Gnade in Christus bewirkt die Umkehr des Menschen zu Gott. Durch den Glauben an Jesus Christus wird der Mensch vor Gott gerecht und Gottes Kind. Glaube ist keine Leistung des Menschen, sondern Annahme der Gnade Gottes. Der Glaubende erfährt die erneuernde Wirkung des Heiligen Geistes in Vergebung und Befreiung. Durch die Kraftwirkung des Heiligen Geistes ist er wiedergeboren zu einem neuen Leben mit Gott. 

3. Das neue Leben aus dem Heiligen Geist

Das Evangelium führt jeden Menschen - auch den religiösen - in die Krise. Es bedeutet Gericht und Neuwerdung für den, der sich dem Heil in Christus zuwendet. Der Heilige Geist beginnt in den Glaubenden ein neues Leben, dessen Grund und Mitte Jesus Christus selbst ist. 

Das neue Leben aus dem Heiligen Geist nimmt Gestalt an, indem es den Menschen in neue Lebenskreise hineinstellt und seine alten erneuert. Es verbindet den Menschen mit Gott und seinem Volk, der Gemeinde Jesu Christi, und erneuert alle zwischenmenschlichen Beziehungen. Das neue Leben äußert sich im Hören auf Gottes Wort, im Gebet und im Tun des Willens Gottes. 

Das neue Leben ist Gottes Geschenk, das in Hingabe und Heiligung bewahrt werden will. Es erspart uns nicht Anfechtungen und Versuchungen, Leiden und Bedrängnis, Zweifel und Begierden, gibt uns aber die Kraft, in ihnen zu bestehen und unseren Glauben an Jesus Christus zu bewähren. Selbst Fehlentscheidungen und Versagen, Irrtümer und Niederlagen können uns nicht von Christus trennen, der uns die Treue hält und Schuld vergibt. Der Heilige Geist ist uns als Fürsprecher und Beistand verheißen, und durch das Wort der Heiligen Schrift spricht Gott in unser Leben hinein. Bibellesen, gegenseitige brüderliche Beratung und Gebet wollen uns Orientierungshilfe auf dem Wege der Nachfolge Christi geben. Der Christ ist mit der Gemeinde Jesu Christi unterwegs zur Vollendung der Gottesherrschaft und lebt schon heute und hier in der Freiheit der Kinder Gottes, zu der ihn sein Herr befreit hat. Die Freude am Herrn ist seine Stärke. 

4. Gottes Schöpfung

Im Glauben an Jesus Christus erkennen wir, dass Gott die Welt durch sein Wort aus dem Nichts erschaffen hat. Dem uranfänglichen Schaffen Gottes entspricht seine Schöpfermacht heute, von der das Dasein eines jeden Menschen Zeugnis ablegt. Diese unsere Welt ist nicht aus sich selbst entstanden, sondern hat ihren Ursprung und ihr Ziel in der Güte Gottes, der sein Leben seiner Kreatur mitteilt, weil er nicht für sich bleiben, sondern mit den Menschen als seinen Geschöpfen Gemeinschaft haben will. 

Gott erhält die Welt trotz der Sünde der Menschen auf ihre Erlösung hin. Mitten in der noch nicht erlösten Welt erlebt die christliche Gemeinde, wie Christus an ihr die Erneuerung der gefallenen Schöpfung anfängt. Als Kinder Gottes erfahren die Christen an sich selbst, wie Gott das Schicksal des Todes und der Nichtigkeit, das über der Welt liegt, aufzuheben beginnt, indem er ihnen durch den Heiligen Geist Freiheit und Gerechtigkeit, Frieden und Freude schenkt. Mit der ganzen Schöpfung sehnen sie sich nach der vollkommenen Erlösung, die ihnen verheißen ist. 

Als der Herr der Geschichte ist Gott Herr aller Menschen und Völker, Zeiten und Generationen. Er hat den Menschen den Kulturbefehl gegeben: Machet euch die Erde untertan und herrschet über sie! Gottes Wille und Wort verleiht dem Menschen seine Würde und macht ihn zum Träger unveräußerlicher Menschenrechte. 

Jesus Christus ist Herr auch über die gefallene Welt und lässt die an ihn Glaubenden den Sturz ihrer offenbaren und geheimen Götter erkennen. Durch ihn erhält die Welt ihre Güte als Schöpfung Gottes zurück. Deshalb nehmen Christen ihre Verantwortung für Bestand und Schutz der Schöpfung ernst. 

Die christliche Gemeinde erkennt Gott als den Schöpfer und Erhalter auch der Strukturen der Schöpfung, in denen zu leben wir als Christen berufen sind. Gott schuf den Menschen in seiner Mitmenschlichkeit. In Ehe und Familie, Gesellschaft und Staat gibt er ihm Raum zum gemeinschaftlichen Leben. 

5. Gottes alter und neuer Bund

Im Glauben an Jesus Christus, den Gott zu seiner Zeit aus Israel her vorgehen ließ, erkennen wir Israel als Gottes auserwähltes Volk. Gott hat seine Schöpfermacht und sein Herr-Sein über alle Völker in der Erwählung und Berufung dieses einen Volkes in einzigartiger Weise erwiesen. Seine Liebe zu allen Völkern führte zum Bund mit diesem besonderen Volk. In ihm wollte Gott alle Völker segnen und es zum Licht der Völker setzen. Die Erwählung und Berufung Israels durch Gott ist auch durch Untreue und Ungehorsam dieses Volkes nicht hinfällig geworden. Darin, dass Gott das Volk der Juden bis in unsere Gegenwart erhalten hat, erblicken wir ein Zeichen der Treue und Barmherzigkeit Gottes. Das Geheimnis dieses Volkes ist und bleibt seine Erwählung und Errettung durch Gott. 

Der neue Bund, in dem Gott seine Herrschaft der Gnade für alle Menschen aufgerichtet hat, löst den alten Bund ab und bringt ihn zugleich zur Erfüllung. Jesus Christus ist der Heiland der Welt, wie er der Messias Israels ist. Deshalb gilt das Heil in Christus den Juden wie den Heiden, denen in Christus werden alle Israel gegebenen Verheißungen in einer Weise und in einem Maße erfüllt, die weit über alle prophetischen Weissagungen des Alten Testaments hinausgehen. In Christus werden alle Völker einbezogen in Gottes Heil, indem aus ihnen die Gemeinde Jesu Christi als das neue Volk Gottes berufen und gesammelt wird. 

6. Gottes Wort - die Bibel

Jesus Christus ist Gottes Wort in Person an uns Menschen. In seinem Leben und Werk hat sich Gott zum Heil der Menschen umfassend und vollgültig offenbart. Der auferstandene und erhöhte Christus wird uns gegenwärtig in der Kraft des Heiligen Geistes. Er macht die Verkündigung des Evangeliums, die durch Menschen geschieht, für uns zum Wort Gottes. 

Im Neuen Testament hören wir die ersten Zeugen von Jesus Christus. In ihrem Zeugnis gründet die christliche Gemeinde. Es kann durch keine nachfolgende christliche Verkündigung und Lehre ergänzt und überboten werden. Die Verfasser des Neuen Testaments haben unter der Leitung des Heiligen Geistes Zeugnis abgelegt von dem in Christus erschienenen Heil Gottes. Darin besteht die Autorität und Normativität des Neuen Testaments für Leben und Lehre der Gemeinde. Es ist das geschriebene Wort Gottes. 

Das Alte Testament bezeugt uns Gottes Geschichte mit seinem Volk Israel und Gottes Willen für alle Menschen. Die christliche Gemeinde versteht es von der Gottesoffenbarung in Christus her und auf sie hin, denn Christus ist des Gesetzes Ziel und Ende. Das Neue Testament bezeugt uns Gottes Heilshandeln in Christus für alle Menschen und die Ausgießung des Heiligen Geistes. Das Evangelium vom gekreuzigten, auferstandenen und kommenden Herrn Jesus Christus ist die Mitte des Neuen Testaments und damit der ganzen Heiligen Schrift. 

Die Bibel ist Gottes Wort in Menschenmund. Deshalb tragen ihre Bücher die Kennzeichen der Zeiten, in denen sie entstanden sind. ihre Sprachen, ihre Denkweisen und ihre literarischen Formen sind den Orten und Zeiten verhaftet, aus denen sie stammen. Deshalb ist der christlichen Gemeinde und ihrer Theologie im Hören auf Gottes Wort auch das geschichtliche Verständnis der Heiligen Schrift aufgetragen. Geschichtliche Deutung der Schrift rechnet mit der Wirksamkeit des Heiligen Geistes, wie bei der Entstehung so auch bei der Auslegung der Heiligen Schrift Alten und Neuen Testaments. Die Bibel lebt, denn Gott redet durch sie.

Aktuelle Termine

Sonntag
10.00 Uhr Gottesdienst und Kindergottesdienst

Montag
12.30 Uhr Gesegnete Mahlzeit (miteinander kochen und essen)

Mittwoch

15.30 Uhr Kirchenkids (ab 6 J., 14-tägig)

15.30 Uhr Seniorenbibelstunde (monatlich)

19.30 Uhr Bibelgesprächskreis


Donnerstag
19.30 Uhr Gebetsstunde
20.30 Uhr Komm-Stunde (mit Dr. J. Rodenhausen)

Hauskreise auf Anfrage 04361-4315 Pastor Matthias Lange